[+] Fit durch den Sommer: So minimierst Du Muskelabbau während der Regenerationsphase

Im Sommer regenerieren wir uns. Einfache Übungen, um Muskelabbau entgegen zu wirken, schließt das nicht aus. Aber aktives Zugtraining findet erst wieder im Herbst statt.

Für die meisten Schlittenhunde ist der Sommer eine trainingsfreie Zeit. Sie soll der Regeneration der Hunde dienen und Erholung nach einer anstrengenden Rennsaison bieten. Gleichzeitig wünschen sich viele Musher, dass ihre Hunde während dieser Zeit keine allzu großen Einbrüche im Trainingsniveau erleiden. Sie wollen, dass Muskelmasse und Kondition möglichst groß bleiben, damit die Hunde im Herbst schneller auf ihr altes Niveau zurückfinden. Dabei kann gerade eine lange Trainingspause helfen, über das alte Niveau hinaus zu gelangen.

In diesem Beitrag erkläre ich:

  • Ist eine Trainingspause wirklich etwas Schlechtes?
  • Was ist das richtige Maß an Bewegung für Welpen, Junghunde und Erwachsene?
  • Konkrete Übungen zum Kraftaufbau und Muskelerhalt im Sommer
  • Übungen zum Training bestimmter Muskelgruppen
  • Wie die Fütterung den Muskelaufbau beeinflusst
  • Wie Du nach einer Trainingspause wieder richtig ins Training einsteigst

[ds_if has_not_product=“1″]

Dieser Inhalt ist exklusiv für Musherclub Plus-Mitglieder sichtbar. Log Dich ein oder werde jetzt Plus-Mitglied, um diesen und viele weitere Inhalte sehen zu können!

[/ds_if]
[ds_if has_product=“1″ logged_in=yes]

Ist eine Trainingspause wirklich etwas Schlechtes?

Ein sinnvolles Training besteht immer aus Phasen der Anspannung und der Entspannung. Vor allem die Regenerationsphasen sind wichtig, damit ein Hundekörper die Belastungsphasen verarbeiten kann. Je regelmäßiger und härter trainiert wird, desto nötiger sind auch Trainingspausen. Und damit sind durchaus längere Pausen als zwei Tage gemeint. Mehrere Wochen trainingsfrei sind nichts schlimmes. In dieser Zeit kann der Körper notwendige „Reperaturarbeiten“ durchführen, angesammelte Giftstoffe ausscheiden und diverse Speicher (Glykogen, Fett, Spurenelemente) auffüllen.

Ein gutes Training besteht aus gut austarierten Phasen der Anspannung und Entspannung. Regenerationsphasen sind wichtig, damit neue Leistungsniveaus überhaupt erst erklommen werden können.

Davon profitiert nicht nur die Muskulatur der Hunde. Auch weitere wichtige Teile des Bewegungsapparates, wie Bänder, Sehnen und Gelenke, werden im Training stark beansprucht und können sich während der Trainingspause regenerieren.

Es ist also gar nicht notwendig, im Sommer morgens um 5 Uhr aufzustehen und anzuspannen. Im Gegenteil: Dank ausgedehnter Regenerationsphasen wirst Du weniger mit Verletzungen wie Muskelfaserrissen oder Sehnenentzündungen konfrontiert sein.

Aber auch für die Leistungsfähigkeit kann eine Pause sinnvoll sein: Wenn Du im Training mal vor einem sogenannten Plateau stehst, also über einen bestimmten Trainingsstand nicht hinaus kommst, kann eine Pause helfen, zunächst die Kräfte zu sammeln. Wenn Du dann wieder zu trainieren beginnst, kannst Du dieses Plateau schon nach wenigen Wochen überwunden haben.

Das richtige Maß für Welpen, Junghunde und Erwachsene

Dass kein aktives Zugtraining im Sommer durchgeführt wird, heißt nicht, dass die Hunde sich nicht bewegen dürfen. Doch auch hierfür gilt: Es muss das richtige Maß sein. Gerade für Mono-Hunde-Sportler ist die Verlockung groß, im Sommer gemeinsame Radtouren zu unternehmen, beim Grillen im Park viel Frisbee zu spielen oder stundenlang schwimmen zu gehen. In Maßen ist das sicherlich kein Problem, aber was ist das richtige Maß?

Welpen haben einen natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus, den Du nicht unnötig stören solltest.

Welpen zeigen von Natur aus, wann sie müde sind. Sie haben kurze Aktivitätsphasen von maximal einer halben Stunde, danach fallen sie schnell in Schlaf. Diesen natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus sollte man nicht unnötig stören. Die Wachphasen sollten lediglich für kleine Ausflüge ins Freie genutzt werden, damit die Welpen vor allem ihre Umwelt erkunden können und ihren Bewegungsapparat sensibilisieren.

Junghunde sind schon bewegungsfreudiger. Je nach Alter können die Jugendlichen schon mal mehrere Kilometer laufen wollen. Das kann man (bei passenden Bedingungen auch im Sommer) unterstützen, zum Beispiel durch langsames Fahrradfahren. Du musst dabei darauf achten, dass die natürliche Bewegungsart der Hunde der Trab ist. „Leichtes Traben ist für die Gesunderhaltung von Gelenken, Bändern, Sehnen und Muskeln am günstigsten“, erklärt Tierarzt Dr. Volker Wienrich. Aber auch bei Junghunden sollte jeder Halter darauf achten, dass der Hund sich nicht übernimmt. Wenn es zu viel wird, „weicht der junge Hund aus und legt sich hin“, so Wienrich.

Adoleszente Hunde können ans aktive Trainingsprogramm herangeführt werden. Aber auch hier gilt: Langsam anfangen, später steigern.

Sobald die Hunde adoleszent werden, kann man das eigentliche Trainingsprogramm starten. (Natürlich nicht im Sommer, sondern bei passenden Temperaturen.) Erschwert wird das nun nur noch durch den Pubertätsstress, den die Hunde in diesem Alter erleben. Hier ist es wichtig, von Anfang an auf einem guten Grundgehorsam zu bestehen. Zudem muss man bei unerfahrenen Hunden, die erstmals im Team mitlaufen, besonders darauf achten, sie nicht zu überfordern. Das betrifft sowohl ihre physischen als auch ihre mentalen Fähigkeiten. Insofern solltest Du für die ersten Touren kurze Strecken auswählen und in einem kleinen Gespann mit angezogener Handbremse fahren.

Konkrete Übungen zum Kraftaufbau und Muskelerhalt im Sommer

Schwimmen ist eine tolle Möglichkeit, um den kompletten Bewegungsapparat auch im Sommer zu trainieren. Alternativ bieten sich Joggen, Freebiken oder Bergsteigen an.

So lange der Hund nicht eingeschirrt und angespannt ist, spricht bei passenden Temperaturen auch im Sommer nichts gegen Joggen und Radfahren. Das gibt dem Hund die Möglichkeit zu traben. „Das ist die natürliche Gangart des Hundes und gelenkschonend“, erklärt Tierarzt Wienrich. „Die Devise lautet: So wenig Asphalt wie möglich, der Hund sollte auf dem Seitenstreifen laufen.“ Das ist nicht nur besser für die Gelenke, Asphalt heizt sich im Sommer auch sehr auf, was im schlimmsten Fall zum Abledern der Hornhaut vom Ballen führen kann. Um den Kraftaufbau insbesondere bei Sporthunden zu fördern, bietet sich auch Bergsteigen an.

Schwimmen ist nicht nur, aber auch für alte Hunde eine optimale Möglichkeit, Muskelmasse aufzubauen und ihre Fitness zu stärken. Der Auftrieb im Wasser vermindert die Gelenkbelastung auf ein Minimum, gleichzeitig werden fast alle Muskelpartien des Hundes beansprucht, während das kühle Wasser den Körper vor Überhitzung schützt. Zur Gewöhnung ans Schwimmen bietet sich an, gemeinsam mit dem Hund seine Bahnen zu ziehen oder einen schwimmenden Dummy als Lockmittel einzusetzen. Alternativ halten zahlreiche Tierphysiotherapeuten Wasserlaufbänder in ihren Praxen vor.

Weitere Übungen, die mehrere Muskelpartien gleichzeitig ansprechen:

  • stehend Pfötchen geben lassen (rechts und links abwechselnd)
    Diese Übung ist auch gut, um Bänder und Sehnen der Vorderhand zu dehnen.
  • auf einem Wackelbrett stehend/sitzend Pfötchen geben lassen
    Durch das Wackelbrett (alternativ ein dickes, festes Kissen) muss der Hund seine Bewegungen stärker koordinieren. Die Muskelpartien in der Hinterhand werden gezielt gestärkt und das Körpergefühl sensibilisiert.
  • rückwärts gehen
    Diese Übung sensibilisiert das Körpergefühl und die Koordination. Gleichzeitig werden Rückenmuskulatur und Hinterhand gestärkt.
  • aus dem Sitz heraus Männchen machen
    Dabei werden Rücken-, Nacken- und Hinterhandmuskulatur besonders beansprucht.

Übungen für einzelne Muskelpartien

Um bestimmte Muskelpartien gezielt zu trainieren, kannst Du verschiedene einfache Übungen in den Alltag integrieren:

Der Diener (Vorderkörpertiefstellung)

Bei der Vorderkörpertiefstellung werden vor allem Schultermuskulatur und langer Rückenmuskel beansprucht.

Bei dieser Übung wird der lange Rückenmuskel und die Schultermuskulatur angesprochen. Der Hund steht dabei zunächst und soll anschließend seinen Vorderkörper fast bis auf Bodenniveau absenken. Der Hintern soll dabei „oben“ bleiben.

Um diese Übung mit einem Leckerlie durchzuführen, stellst Du Deinen Hund hierfür quer vor Dir auf. Anschließend stützt Du Deinen Hund mit einer Hand leicht am Unterbauch, während Du mit der anderen Hand das Leckerlie vor der Schnauze zum Boden führst.

Liegestütze (Platz-Steh-Übungen)

Der Hund liegt zu Beginn der Übung und soll sich anschließend aus der Hinterhand aufstemmen und stehen. Das trainiert Oberarm- und Oberschenkelmuskeln und stärkt auch die Rückenmuskulatur.

Die Übung kannst Du mit Leckerlies recht einfach aufbauen. Platz sollte Dein Hund beherrschen. Anschließend führst Du das Leckerlie von seiner Nase aufwärts und etwas von ihm weg. Dadurch muss er sich nach dem Leckerlie strecken und steht auf.

Slalom

Slalom-Lauf ist eine gute Möglichkeit, um die Hunde aufzuwärmen. Die Muskeln werden leicht stimuliert, die Rückenmuskulatur gut gedehnt und der Bewegungsapparat gelockert.

Auch im Winterhalbjahr ist der Slalom-Lauf eine gute Übung, um Hunde aufzuwärmen. Hierbei wird vor allem die Rückenmuskulatur und die Beweglichkeit von Wirbelsäule und Beinen trainiert.

Wenn Du keine Slalom-Stangen besitzt, kannst Du diese Übung auch mit Deinen Beinen durchführen. Führe Deinen Hund dafür anfangs mit einem Leckerlie langsam durch deine gespreizten Beine. Später kannst Du vorsichtig einen Schritt vor den anderen setzen und den Schwierigkeitsgrad für Deinen Hund erhöhen.

Natürlich kannst Du alle diese Übungen auch ohne Leckerlie durchführen. Wichtig ist nur, dass sowohl Du als auch Dein Hund Spaß an den Übungen habt. Solltest Du also bemerken, dass Dein Hund Missfallen an einer Übung äußert, solltest Du sie nicht weiter verfolgen. (Bei Schmerzanzeichen solltest Du das zudem bei einem Tierarzt abklären lassen.) Stress erkennst Du zum Beispiel daran, dass Dein Hund gähnt, schmatzt, seinen Kopf wegdreht oder vor der Übung wegläuft.

Wie die Fütterung den Muskelaufbau beeinflusst

Die Fütterung hat großen Einfluss auf die Muskelentwicklung. Daher solltest Du besonderes Augenmerk auf die Wahl der Eiweißquelle legen.

Auch während der Regenerationsphase im Sommer solltest Du auf den Einfluss der Fütterung auf den Muskelaufbau bzw. -abbau achten. Der Hundekörper benötigt auch in der trainingsfreien Zeit genügend Protein.  Andernfalls wird sich der Körper des Hundes direkt an den Eiweißreserven in der Muskulatur bedienen – zumal die Muskeln gerade sowieso nicht so beansprucht werden. Mach Dir insofern auch keine Sorgen, wenn Deine Hunde leicht zunehmen – das Polster kommt ihnen mit Beginn der Trainingssaison zu Gute.

Allerdings kommt es nicht nur auf die Menge an. Die Qualität der Proteine ist mindestens ebenso wichtig. Dein Hund benötigt hochwertige Eiweißquellen, denn dann können die darin enthaltenen Aminosäuren vom Hund besser verdaut und verwertet werden. Insofern ist gerade bei Sporthunden den tierischen Proteinen der Vorzug vor pflanzlichen Eiweißquellen zu geben.

Aminosäuren sind wichtig für den Muskelaufbau. Sie unterstützen zudem die Regeneration nach dem Training und helfen, die Glykogenspeicher schneller aufzufüllen.

Wie Du nach einer Trainingspause wieder richtig ins Training einsteigst

Bereits während des Trainings ist eine ordentliche Ernährung essentiell. Genügend Kalorien und ausreichend Proteine bilden die Grundlage, damit Dein Hund nicht schon zu Beginn der Trainingsphase komplett erschöpft nach Hause kommt.

Zu Beginn des Trainings solltest Du mit kurzen Strecken einsteigen, um Muskelkater vorzubeugen und dem Hund den Spaß an der Arbeit nicht zu verderben. Später wirst Du aber umso schneller dein altes Trainingsniveau wieder erreichen.

Die Muskelmasse, die trotz der oben beschriebenen Maßnahmen verloren geht, kommt nach der Trainingspause schnell wieder. Zum einen bauen Hunde Muskelmasse deutlich schneller als wir Menschen auf. Zum anderen hilft der „Memoryeffekt“ der Muskulatur. Dieser Effekt ermöglicht es dem Hund, schneller ein Leistungsniveau und eine Muskelmasse zu erreichen, die er früher schon einmal hatte. Der Hundekörper hat quasi einen Bauplan in der Schublade, weil dieser Muskelaufbau ja schon einmal stattgefunden hat. Mit diesem Bauplan (und einigen Materialien im Lager = „Polster“) muss der Körper deutlich weniger Arbeit leisten als beim ersten Muskelaufbau. Das ist auch der Grund, warum Schlittenhunde in der zweiten Rennsaison oftmals einen deutlichen Leistungssprung nach vorn machen.

Das bedeutet, Du kommst mit „erfahrenen“ Hunden schneller im Training voran als mit Yearlingen (also Hunden in ihrer ersten Trainingssaison). Deshalb solltest Du in Teams, in denen sowohl erfahrene als auch junge Hunde laufen, ein besonderes Augenmerk auf die Yearlinge haben.

Wichtig ist, dass Du zu Beginn der Trainingssaison die Streckenlängen und Belastungen für die Hunde so gering wie möglich hältst. Andernfalls drohen Muskelübersäuerungen, also Muskelkater. Der Hund verbindet dann schlechte Erfahrungen mit seiner Zugarbeit, was im schlechtesten Fall zu totaler Leistungsverweigerung führen kann. Das Motto im Training lautet immer „Keep them happy“ – also halte Dich zu Beginn des Trainings zurück und lege auch dann regelmäßige (kürzere) Regenerationspausen ein. Dann erreichst Du umso schneller das alte Trainingsniveau – und kommst auch darüber hinaus 🙂
[/ds_if]

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Wenn Du Musherclub.de ein kleines Dankeschön hinterlassen möchtest, kannst Du das z.B. via PayPal tun: 2,50€5€10€Dein Betrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.