Grundlagen für ein effektives Kommandotraining

Mindestens genauso wichtig wie die Leistungsfähigkeit eines Teams ist dessen Kommandosicherheit.

Erfolgreiche Schlittenhundeteams führen ihren Erfolg nicht ausschließlich auf großartige Hunde zurück. Mindestens genauso wichtig wie die Leistungsfähigkeit des Teams ist dessen Kommandosicherheit. Wer sein Team nicht sicher um eine Spitzkehre führen kann oder an nicht abgeflatterten Kreuzungen falsch abbiegt, verliert viel Zeit.

Einige Musher neigen in dieser Situation dazu, ihre Hunde anzuschreien oder Kommandos immer und immer wieder zu wiederholen. Meist mit mäßigem Erfolg.

Das Problem: Wiederholte Kommandos und ineffektives Brüllen führen nicht zum Ziel, sondern desensibilisieren Deinen Hund gegenüber Deiner Stimme. Du wirst in der Welt Deines Hundes ausgeblendet und Deine Kommandos gehen perspektivisch im Hintergrundrauschen zwischen den weiteren (optischen/akustischen/olfaktorischen) Reizen unter.

Wenn Dein Hund also nicht beim ersten Mal auf Dein Kommando anspringt, fühlt er sich entweder nicht angesprochen oder er weiß schlicht noch nicht, wie er korrekt auf das Kommando reagieren soll. Dazu gibt es ein schönes Zitat der Musherlegende George Attla III.:

„The dog never makes a mistake. He is just a dog and he does what he does because he is a dog and thinks like a dog. It is you that makes the mistake because you haven’t train him to do what you want him to do when you want him to do it.“

Zu deutsch: „Der Hund macht niemals einen Fehler. Er ist nur ein Hund und er macht was er macht, weil er ein Hund ist und wie ein Hund denkt. Du bist es, der den Fehler macht, weil Du ihn nicht für das trainiert hast, was Du von ihm verlangst, wenn Du es von ihm erwartest.“

Entweder weiß Dein Hund also einfach nur nicht, was Du von ihm verlangst. Oder er ist mit der Ausführung des Kommandos aus irgendwelchen Gründen überfordert – mental oder physisch. In beiden Fällen hilft es nicht, den Hund mit Kommandos zu penetrieren. Frustration hilft niemandem im Training, also beruhige Dich in so einem Moment immer erstmal und denke darüber nach, warum Dein Hund ein Kommando nicht umgesetzt hat.

will-to-please als Grundvoraussetzung

Alaskan Malamutes sind eher dickköpfige Hunde. Sie benötigen eine besonders konsequente Führung, sonst akzeptieren Sie ihre Bezugsperson nicht als Boss.

Die meisten Hunde – insbesondere die jagdhundlastigen Europäischen Schlittenhunde (einschließlich Greyster) – sind sensibel, wollen ihren Besitzern gefallen und führen Kommandos deshalb gern aus (der sogenannte „will-to-please“). Einige Rassen, z.B. Huskys und Malamuten, sind eigenständiger und werden Kommandos nur von Menschen annehmen, die ihren Respekt verdient haben. Der will-to-please ist bei allen Rassen umso ausgeprägter, je enger die Bindung zwischen Hund und Halter ausgeprägt ist. „Je mehr Zeit Du in Deine Hunde investierst, Dich als Führungspersönlichkeit zeigst, ihnen mit Respekt und Freundschaft begegnest, desto enger werden sie sich an Dich binden“, erklärt Julie Collins, Musherin mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Ausbildung von Junghunden.

Als Mehrhundehalter solltest Du zunächst in kleineren Gruppen oder einzeln trainieren, bevor Du mit allen Hunden gemeinsam trainierst.

„Die Hunde müssen wissen, dass Du der Boss bist“, so Collins. Das hat jedoch nichts mit Unterdrückung oder physischer Unterwerfung zu tun. „Die besten Trainer nutzen kaum oder gar keine physische Disziplinierung.“ Der Status als Boss muss verdient werden:

  • indem konsistente Kommandos gegeben werden,
  • bei denen immer auf korrekte Umsetzung geachtet wird,
  • die entsprechend belohnt wird.

Für Mehrhundehalter kann es hier sinnvoll sein, das Training in kleineren Gruppen oder gar einzeln durchzuführen, um das Geschehen jederzeit kontrollieren und im Fehlerfall korrigieren zu können.

Kommuniziere mit Körpersprache!

Achte auf Deine Körpersprache im Training und kommuniziere mit Deinen Hunden auf Augenhöhe.

Die akustische Kommunikation macht in der Sinneswahrnehmung der Hunde nur einen Bruchteil aus. Viel wichtiger sind für Hunde körpersprachliche Signale: Körperspannung, Blickrichtung, Haltung von Kopf/Ohren/Schweif/…, Kräuselung des Nasenrückens usw. Insofern bietet es sich auch für Dich an, intensiv körpersprachlich mit Deinem Hund zu kommunizieren.

Ein kleines Beispiel: Hunde kommen (auch auf Rufen) ungern zu Menschen, die frontal aufrecht bzw. vornübergebeugt zu ihnen stehen. Diese Haltung hemmt den Hund in der Ausübung des „Komm“-Kommandos, da der Mensch mit seiner Körpersprache bedrohlich wirkt. Wenn die gleiche Person sich jedoch hinhockt („auf Augenhöhe kommt“), sich dabei vielleicht noch um 45° abwendet, signalisiert das dem Hund, dass von diesem Menschen eher keine Gefahr ausgeht.

Bedenke im Alltagstraining mit den Hunden also immer auch Deine eigene Körpersprache.

Gehorsam kann in allen Situationen trainiert werden

„Sitz“ ist schnell beigebracht und kann im Training vielseitig eingesetzt werden. Zudem „erdet“ es unruhige Hunde, sodass sie aufnahmefähiger für Kommandos werden.

Der erste Schritt zu einem besseren Gehorsam ist das richtige Mindset. Hunde handeln in aller Regel eigennützig. Du musst Dich also im Alltag immer fragen: Handele ich jetzt im Sinne der Hunde oder handeln sie in meinem Sinne? Nur im letzten Fall bist Du der Boss…

Beginne also ganz einfach: Bring Deinen Hunden „Sitz“ bei und belohne das Verhalten. Sobald das Kommando verinnerlicht wurde, trainierst Du es in anspruchsvolleren Situationen. Bevor es Futter gibt, muss sich Dein Hund setzen, und Du gibst das Freigabesignal. So erhält er sein Futter nicht, weil er danach verlangt (Du gehorchst ihm), sondern weil er für Dich arbeitet (er gehorcht Dir). Das kannst Du immer weiter ausbauen, indem Du z.B. die Abstände vergrößerst. Gleichzeitig trainierst Du damit die Frustrationstoleranz Deines Hundes.

Schau mir in die Augen, Kleines!

„Achte auf Augenkontakt“, rät auch Julie Collins. „Sag seinen Namen und sobald er Augenkontakt aufbaut, belohnst Du Deinen Hund.“ Dieses Verhalten ist wichtig, um die Aufmerksamkeit des Hundes zu steigern. Denn wenn der Hund Dich anschaut, ist er auch aufnahmefähig. „Außer wenn er im Team läuft, sollte Dein Hund Dich immer ansehen, sobald Du seinen Namen rufst. Ganz egal, ob er gerade gelangweilt herumsitzt, einen anderen Hund anbellt oder sich vor einem Elch im Garten erschreckt“, sagt Collins. „Speziell wenn er Fehlverhalten zeigt, kann er sich so umorientieren und ist offen für Alternativvorschläge.“ Anfangs brauchen die Hunde oftmals noch eine zusätzliche Ablenkung wie ein Händeklatschen oder eine kurze Berührung, um ihre Aufmerksamkeit umzuorientieren.

Bis diese kleinen Veränderungen Wirkung zeigen, dauert es ein wenig. Aber mit etwas Geduld, Konsequenz und Motivation zeigen sie sowohl im freien Training wie auch im Team nachhaltige Wirkung.

Verbale Kommunikation: Das Richtige tun

Kommunikation – insbesondere verbale – spielt eine Schlüsselrolle für die Entwicklung eines Hundes, der Kommandos richtig umsetzen soll. Je besser der Hund Deine gesprochenen Kommandos versteht (inhaltlich und akustisch), desto kooperativer wird er sich verhalten. Das betrifft nicht nur Rennsituationen, sondern auch alle Situationen im Alltag. Ich selbst nutze beispielsweise das Kommando „Box“, um Hunde einzuladen. Martin Buser sagt „Foot“, um die Pfoten seiner Hunde einzucremen. Dadurch bauen sich Rituale auf, die der Hund nicht mehr in Frage stellen wird.

Auch hier gilt: Konsistenz und Konsequenz! Nutze für die gleiche Situation immer das gleiche Wort und wenn Du das Kommando gibst, solltest Du es auch durchsetzen. Gerade junge Hunde stellen das Kommando „Box“ bei mir gelegentlich in Frage. Stattdessen wollen sie beispielsweise noch etwas spielen, aber diesen Erfolg gönne ich ihnen in diesem Moment nicht. Wenn das Signal „Box“ einmal ertönt ist, wird es durchgesetzt. Natürlich belohne ich die korrekte Umsetzung auch. Diese Kombination – Konsistenz, Konsequenz und positive Bestärkung – führt später dazu, dass die Hunde das Kommando immer schneller und selbstverständlicher ausführen und auch für Ablenkungen unempfänglich werden. Sie disziplinieren sich quasi selbst in der Erwartung der positiven Bestärkung.

Grundstein im Junghundealter legen

Die Grundlagen für ein erfolgreiches Training werden bereits im Welpenalter gelegt.

Bereits im Welpen- und Junghundealter werden die Grundlagen für erfolgreiches Lernverhalten gelegt. Bevor die Hunde in die Adoleszenz kommen sollten sich ein Abbruchsignal (z.B. „Nein“) kennenlernen und verinnerlichen. Obwohl ich selbst vor allem mit positiver Verstärkung arbeite, nutze ich dieses „negative Wort“ in passenden Situationen als Unterbrecher. Wenn ein Leader in Ausbildung beispielsweise auf „Haw“ die falsche Richtung wählt und ein passend gesetztes „Nein“ hört, unterbricht er seine Bewegung nach rechts im Idealfall. Ein erneutes „Haw“, die Umorientierung nach links, eine verbale Bestärkung – und der Hund hat einen Lernerfolg davongetragen.

Junghunde akzeptieren Autorität besser als ausgewachsene Hunde. Sie lernen – ähnlich wie Kleinkinder – diese „Fremdsprache“, die ihre Bezugsperson spricht, schneller und besser als Erwachsene. Und je besser Welpen und Junghunde ein Kommando bereits verinnerlichen, desto sicherer wird es ein Hundeleben lang sitzen – auch unter größeren Ablenkungen.

Auf dem Trail: Reden bringt Dir Silber, Schweigen Gold

Auf dem Trail gilt: Weniger ist mehr. Je weniger Du redest, desto aufmerksamer wird Dein Hund und desto besser wird er die Kommandos umsetzen.

Wie eingangs erwähnt: Wenn die Hunde auf dem Trail sich ständig wiederholende Kommandos hören, werden sie Dich irgendwann ausblenden. Denn die Kommandos werden nicht konsequent durchgesetzt. Das zehrt auch an Deiner Autorität als Boss!

Insofern musst Du im Training gezielt ansetzen: Wenn Dein Leithund das Kommando beim ersten Mal nicht richtig umsetzt, wird er korrigiert. Notfalls heißt das dann: Anker oder Kralle setzen, vor laufen und dem Hund zeigen, wie es richtig geht.

Auch beim Thema Motivation rate ich zu weniger Worten: Die Wertigkeit eines Lobs nach korrekter Umsetzung eines Kommandos ist für den Hund höher, als wenn er durchgängig gelobt wird. Jedes Wort „zuviel“ führt außerdem dazu, dass der Hund im Kopf kurz „unterbricht“, das akustische Signal einordnet und auswertet. Das lenkt ab und führt gleichzeitig zu geringerer Leistungsbereitstellung. Dein Hund bleibt aufmerksamer und konzentrierter, wenn Du nur gezielt mit ihm sprichst, da er dann sein nächstes Kommando bzw. Lob erwartet.

Weiterführende Literatur

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Wenn Du Musherclub.de ein kleines Dankeschön hinterlassen möchtest, kannst Du das z.B. via PayPal tun: 2,50€5€10€Dein Betrag

2 Antworten auf „Grundlagen für ein effektives Kommandotraining“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.