Neue VDSV-Tierschutzordnung: „Immer zum Wohl der Tiere“

Die neue Tierschutzordnung soll – sofern VA und VK zustimmen – in der kommenden Saison in Kraft treten. Sie gilt dann für alle Veranstaltungen, die ein VDSV-Verein oder eine seiner Abteilungen veranstaltet.

Wenn Verbandsausschuss und Verbandskongress am 23. Juni grünes Licht geben, könnte sie schon zur nächsten Saison in Kraft treten: Die neue VDSV-Tierschutzordnung. Neben einigen weitreichenden Änderungen gibt es zahlreiche Bearbeitungen und Anpassungen „an die aktuelle Lage“, wie Dr. Jette Schönig erklärt. „Hinter allem, was wir hier tun steht immer und an erster Stelle das Wohl unserer Tiere“, erläutert die VDSV-Direktorin Tierschutz gegenüber Musherclub.de. Da der Schlittenhundesport insbesondere in Alaska von übereifrigen Tierschützern immer wieder mit Tierquälerei in Verbindung gebracht wird, „muss der Tierschutzaspekt immer und immer wieder aktuell kommuniziert werden“, so Schönig.

In den aktuellen Entwurf sind Anregungen von Mushern, Vereinsvorsitzenden und Tierschutzbeauftragten eingeflossen. Zudem wurde die aktuelle Ordnung an aktuelle Rahmenbedingungen angepasst und in Übereinstimmung mit der geplanten VDSV-Rennordnung gebracht. Im folgenden Stelle ich Dir die vorgesehenen Änderungen im Detail vor.

Neue Rechte und Pflichten für Tierschutzbeauftragte

Erstmals wird in der geplanten Tierschutzordnung eine verpflichtende Schulung für Tierschutzbeauftragte verankert. Zudem wird empfohlen, dass der Tierschutzbeauftragte einen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde absolviert. Der Hintergedanke dabei: Bei kleineren Rennveranstaltungen muss ein Tierarzt nur in Rufbereitschaft stehen, aber nicht durchgängig auf dem Platz anwesend sein. Dafür ist aber ein Ersthelfer verpflichtend vorzuhalten. Dies könnte in Personalunion auch der Tierschutzbeauftragte sein. Der muss dem neuen Entwurf zufolge nämlich während der gesamten Veranstaltung vor Ort sein. Bislang erstreckte sich seine Anwesenheitspflicht auf den Zeitraum des Rennbetriebs.

Tierschutzbeauftragte dürfen künftig Gesundheitschecks vor dem Betreten des Stake Out Platzes vorschreiben. Zudem sollen die Aus- und Weiterbildungsangebote des VDSV ausgebaut werden.

Neue Kompetenzen erhält der Tierschutzbeauftragte zur Prävention von Krankheiten auf dem Stake Out Platz. So heißt es in der neuen Tierschutzordnung: „Bei allen Rennen kann vor Befahren des Stake Out Platzes durch die Rennleitung / durch den TSB / durch den Renntierarzt verlangt werden, die anreisenden Hunde einem Gesundheitscheck zu unterziehen, um ansteckende Erkrankungen auf dem Stake Out Platz vorzubeugen.“ Zudem entscheidet der Tierschutzbeauftragte, ob bei einer Krankheit auf dem Platz ein Tierarzt hinzugezogen werden soll, falls keiner vor Ort ist.

Weiterbildung zum Tierschutzrichter

Tierschutzrichter dürfen bei mittleren und schweren Verstößen auch ohne Rücksprache mit dem Rennrichter Platzverweise aussprechen.

Wer bereits Tierschutzbeauftragter ist, kann sich künftig vom VDSV zum Tierschutzrichter weiterbilden lassen. Damit einher gehen weitergehende Befugnisse: Ein Tierschutzrichter darf bei mittelschweren und schweren Verstößen gegen die Tierschutzordnung auch ohne Rücksprache mit dem Rennrichter Platzverweise aussprechen. Damit könnte sich der Tierschutz emanzipieren und künftig eine eigenständigere Rolle auf Rennplätzen erhalten. „Bisher ist der Tierschutzbeauftragte immer vom Rennrichter abhängig, wenn es um Sanktionen wie Platzverweis geht“, sagt Dr. Jette Schönig. Es könne in seltenen Fällen aber vorkommen, dass der Tierschutzbeauftragte einen Verstoß gegen die Tierschutzordnung sehe, den der Rennrichter anders einschätze.

Ausbildungsinhalte für die Weiterbildung zum Tierschutzrichter sind Teile der Rennrichterausbildung, erklärt die VDSV-Tierschutzdirektorin. „Die Idee ist, dass in Zukunft jeder Tierschutzbeauftragte eine Tierschutzrichter-Ausbildung absolviert, aber wir möchten diese Änderung in kleinen Schritten einführen.“ Schönig betont, dass kein Tierschutzbeauftragter diese Ausbidung sofort absolvieren muss, um sein Amt auszuüben. „Aber ohne diese Ausbildung ist der Tierschutzbeauftragte weiterhin ‚abhängig‘ vom Rennrichter“, was in den allermeisten Fällen auch kein Problem darstelle, „da wir ja alle zum Wohl der Hunde handeln.“

Neu: Chip-Pflicht und zwingender Impfnachweis

Was in der Vergangenheit schon gelebte Praxis war, wurde nun auch in der Tierschutzordnung festgehalten: Alle Hunde bei einer Veranstaltung müssen gechippt sein und bei der Startnummernausgabe muss eine Chip-Liste abgegeben werden.

Die neue Tierschutzordnung definiert, welche Impfungen durchgeführt werden müssen. Hunde ohne gültigen Impfstatus müssen den Stake Out Platz wieder verlassen.

Zudem wurde eine explizite Impfpflicht verankert. Alle Hunde auf dem Stake Out Gelände benötigen eine gültige, dokumentierte Impfung gegen:

  • Tollwut
  • Staupe
  • Hepatitis
  • Parvovirose
  • Zwingerhusten
  • Leptospirose

Wie bisher auch sind die Impfausweise zur Kontrolle bei der Startnummernausgabe vorzuzeigen.

Neue Regeln für Boxen

Neue Regeln für Boxen: trockenes Einstreu (alternativ Decken/Kissen), ausreichend Platz und Transport verpflichtend in Boxen ab drei Hunden. Konkrete Größenvorgaben gibt es nicht.

Die bisherigen Regeln für die Haltung der Hunde auf dem Rennplatz wurden beibehalten. So muss eine Box auch weiterhin Schutz vor Witterung bieten, ausreichend belüftet sein und vor Zugluft und Abgasen schützen.

Neu ist, dass explizit geregelt wird, dass die Boxen „mit trockener, sauberer Einstreu“ versehen sein müssen. „Alternativ werden auch geeignete Decken oder gepolsterte Liegeflächen akzeptiert“, heißt es im Entwurf der neuen Tierschutzordnung. „Bei Doppelbelegung von Boxen muss gewährleistet sein, dass beide Hunde ihr Ruheverhalten so gestalten können, als seien sie in zwei Einzelboxen untergebracht.“

Konkrete Größenvorgaben gibt es nicht. Die Hunde sollen aufrecht stehen, sich strecken und eingerollt bequem liegen können. Die in Österreich geltenden konkreten Größenvorgaben werden in Deutschland in Bezug auf die Transportsicherheit als gefährlich angesehen, weshalb hier auch kleinere Boxen akzeptiert werden. Aus Präsidiumskreisen war zu vernehmen, dass einheitliche Boxengrößen auch aufgrund der Unterschiedlichkeit der Hunde gar keinen Sinn machen. Ein großer Malamute mit knapp 50 Kilogramm braucht eben mehr Platz als ein kleiner Hound von 18 kg.

Wer mit mehr als zwei Hunden unterwegs ist, muss diese künftig zwingend in Boxen transportieren. Bei ein oder zwei Hunden muss der Transport „nur“ StVZO-konform erfolgen.

Stake Out als Ruheort

Der Stake Out wird in der neuen Tierschutzordnung als „Ruheort“ definiert. Zudem wurde die starre Zeitbegrenzung, wie lange Hunde angehangen sein dürfen, aufgehoben.

Die Bestimmungen für die Stake Out Haltung wurden überarbeitet, „da sich bisherige Pflichten nicht als praktikabel erwiesen haben“, wie VDSV-Direktorin Schönig erläutert. Bislang gab es ein Zeitlimit von maximal 90 Minuten, die die Hunde durchgängig am Stake Out hängen durften. Nun heißt es: „Es soll darauf geachtet werden, die Hunde nur so lange am Stake Out zu befestigen, wie sie sich sichtlich wohlfühlen und kein Anzeichen von Stress zeigen.“

Zudem wird der Stake Out im Entwurf der neuen Tierschutzordnung als Ruheort für Hunde und Musher definiert, der „nicht von anderen betreten werden“ soll. Dabei geht es vor allem um die „Gassigänger“, deren Zahl vor allem (aber nicht nur) durch mehr 1- und 2-Hunde-Sportler auf den Rennplätzen steigt. Das Gassigehen auf dem Stake Out Gelände „empfinden die Musher, welche ihre Hunde nicht Gassi führen eher als Störung, während die Musher die mit ihren Hunden Gassi gehen [das] als Notwendigkeit ansehen“, so Dr. Jette Schönig. Die Definition des Stake Out als Ruheort soll ein Versuch sein, diesen Konflikt zu befrieden, während alle Hunde zu ihrem Recht kommen.

Weitere Änderungen

Zwei weitere kleine Änderungen betreffen die Streckenlänge von Wagen- und Schneerennen. Während wie bisher konkrete Maximaltemperaturen vorgegeben werden, ab denen eine Strecke zwangsweise gekürzt oder gesperrt wird, erhalten die Rennleiter nun weitergehende Kompetenzen. So darf der Hauptrennleiter künftig die Strecke verkürzen oder „andere Maßnahmen verhängen […], solange es dem Wohle des Sports dient.“ Die Höchsttemperaturen müssen dafür nicht erreicht sein, es reicht beispielsweise ein längerer Streckenabschnitt ohne Schatten.

Im Falle des anderen Temperaturextrems, also bei extremen Minusgraden, kann die Renn-Jury gemeinsam mit den Teamleitern und Organisationskommittee entscheiden, „ob ein Rennen abgesagt, ob die Startzeit verschoben, oder die Renndistanz reduziert werden muss.“

Tierschutzordnung muss noch beschlossen werden

Die Tierschutzordnung muss am 23. Juni noch von Verbandsausschuss und Verbandskongress beschlossen werden. Dann könnte sie direkt zur nächsten Saison in Kraft treten.

 

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