[+] Warum bei Hitzschlag schnelles und richtiges Handeln gefordert ist

Todesfalle Auto: Abgestellt bei 24°C Außentemperatur steigt die Innentemperatur nach 20 Minuten bereits auf 48°C – lebensbedrohlich!

In diesen Wochen häufen sich in den Tierarztpraxen wieder Fälle von Hitzschlag. Hunde werden in zu warmen Autos zurückgelassen (was auch bei einer Musherin 2014 vorkam) oder sportlich zu stark beansprucht. Brachycephale Hunde, also kurzschnäuzige Rassen wie Möpse oder französische Bulldoggen, können schon mit einem einfachen Spaziergang in der Mittagshitze überfordert sein. Unabhängig davon, dass die Schuld in jedem Falle beim Tierhalter liegt, ist dann schnelles und richtiges Handeln erforderlich. Denn die Prognose nach einem Hitzschlag ist sehr schlecht: Über die Hälfte der Hunde sterben trotz Behandlung. Je später die Patienten beim Tierarzt eintreffen, desto schlechter die Aussichten.

In diesem Beitrag erfährst Du:

  • Was ist ein Hitzschlag?
  • Das sind die Symptome eines Hitzschlags
  • Wie funktioniert die Thermoregulation unserer Hunde?
  • Erste Maßnahmen im Ernstfall
  • Welche Faktoren beeinflussen die Überlebenschancen?
  • Wie Du einem Hitzschlag vorbeugst

[ds_if has_not_product=“1″]

Dieser Inhalt ist exklusiv für Musherclub Plus-Mitglieder sichtbar. Log Dich ein oder werde jetzt Plus-Mitglied, um diesen und viele weitere Inhalte sehen zu können!

[/ds_if]
[ds_if has_product=“1″ logged_in=yes]

Was ist ein Hitzschlag?

Wenn die Fähigkeit des Körpers überschritten wird, die Wärme abzugeben, die aus Stoffwechsel, Anstrengung und Umweltfaktoren resultiert, kommt es zum Hitzschlag, wie Dr. Jenny McIntosh von der Universität Leipzig ausführt. Ein Hitzschlag liege vor, wenn „beim Hund eine Körperkerntemperatur von 41°C überschritten wird.“

In der Veterinärmedizin wird in zwei Arten von Hitzschlag unterschieden, die aber oft kombiniert auftreten. „Der klassische Hitzschlag ist umweltbedingt und wird durch sehr hohe Umgebungstemperaturen ausgelöst“, so McIntosh. Der anstrengungsinduzierte Hitzschlag entsteht durch hohe physische Belastung in heißer Umgebung bei gleichzeitig hoher relativer Luftfeuchte.“

Das sind die Symptome eines Hitzschlags

Die Symptome eines Hitzschlags: Die Körpertemperatur kann durch entsprechende Kühlung bis zum Eintreffen beim Tierarzt bereits wieder im Normalzustand angekommen sein oder durch zu starke Abkühlung darunter liegen. Ein Hund mit Hitzschlag liegt meist auf der Seite und weist ein reduziertes Bewusstsein auf. Manche Tiere reagieren mit epileptischen Anfällen oder fallen ins Koma. Die Schleimhäute trocknen ab, da der Hund dehydriert. Und die kapillare Rückfüllzeit kann je nach Schockstadium zwischen „sehr schnell“ und „gar nicht“ schwanken.

Die Thermoregulation unserer Hunde

Hunde mit verkürzter Nase haben im Sommer größere Probleme mit der Thermoregulation. Bei ihnen kann ein Spaziergang in der Mittagshitze schon zuviel sein.

Hunde haben eine relativ konstante Körpertemperatur, die im Normalfall zwischen 37,5°C und 39°C liegt. Der Körper des Hundes stellt eine Balance zwischen Wärmeproduktion und Wärmeabgabe her. Die meiste thermische Energie wird in der Skelettmuskulatur und der Leber erzeugt. Bei körperlicher Anstrengung produzieren die beanspruchten Muskelpartien zusätzliche Wärme.

Im Normalfall wird überschüssige Wärmeenergie an die Umwelt abgegeben: Über die Haut und die Schleimhäute. Der Wärmetransport läuft hierbei ausschließlich über die Blutbahnen.

„Die Thermoregulation ist ein kurzfristiger Anpassungsprozess des Körpers“, erklärt McIntosh. Wärmerezeptoren erfassen die Temperatur im Körperinneren und an der Haut. Im Hypothalamus wird ständig zwischen Soll- und Ist-Werten der Körpertemperatur abgeglichen. Im Bedarfsfall wird ein Regelungsmechanismus in Gang gesetzt, um Wärme aus dem Körper abzutransportieren oder (wenn es kalt ist) Wärme zu produzieren („Kältezittern“).

Wenn Wärme abgeführt werden soll, erfolgt das in der Regel durch Radiation (Wärmeabstrahlung) und Konvektion (Wind). Wenn die Umgebungstemperatur steigt, werden diese Methoden jedoch zunehmend ineffektiver. Dann kann die Wärmeabgabe nur noch über Verdunstung erfolgen, also indem der Hund hechelt und transpiriert. Aber auch das funktioniert nur, solange die Luftfeuchtigkeit möglichst niedrig ist.

Erste Maßnahmen im Ernstfall

Ein Hitzschlag ist ernst zu nehmen, denn er schädigt gleichzeitig viele Organe: Herzmuskel, Lunge, Niere, Magen-Darm-Trakt und Nervensystem. Ziel erster Maßnahmen muss es daher sein, die Körpertemperatur in den Normalbereich herunterzukühlen und den Patienten schnellstmöglich zum Tierarzt zu bringen. Dort wird der Kreislauf durch Infusionen stabilsiert, um weitere Organschäden zu vermeiden und auf eventuell auftretende Komplikationen reagieren zu können.

Um den Hund aktiv zu kühlen nutzt Du kaltes, aber nicht eiskaltes Wasser. Damit wird der Hund komplett durchnässt (bis auf die Haut). Besonders bei Hunden mit viel Fell (z.B. Huskys oder Malamuten) braucht es dafür viel Wasser. Damit wird der Wärmeabfluss durch Radiation gefördert. Auf dem Weg zum Tierarzt sollte deshalb auch das Autofenster geöffnet sein, um eine gute Luftzirkulation zu gewährleisten. Auf nasse Handtücher solltest Du verzichten, weil sie den Wärmeabtransport mittels Konvektion behindern. Die Überlebenschancen sind dabei höher, je schneller mit der Abkühlung begonnen wird.

In jedem Fall muss nach dem Hitzschlag ein Tierarzt aufgesucht werden. Neben der weiteren Akutbehandlung wird er den Hund mindestens noch zwei Tage stationär zur Beobachtung aufnehmen.

Die Kühlung sollte beendet werden, wenn die Körpertemperatur unter 39,5°C abgesunken ist. Andernfalls können auch Schäden durch Unterkühlung entstehen.

Der Tierarzt wird neben einer ggf. weiteren notwendigen Kühlung zunächst einen Venenzugang legen, um eventuelle Schäden mittels Blutbild abzuklären und um den Kreislauf durch Infusionslösungen zu stabilisieren. Zudem werden die Atemwege geprüft und wenn notwendig eine künstliche Beatmung mit Sauerstoff veranlasst.

Dem schließt sich ein zweitägiges stationäres Monitoring an, da es in dieser Zeit zu zahlreichen Komplikationen kommen kann. Neben Multiorganversagen werden Blutvergiftungen und schwere Magen-Darm-Schädigungen am Häufigsten beobachtet.

Einflussfaktoren für die Überlebenschancen

Aus verschiedenen Studien geht hervor, dass die Überlebenschance nach einem Hitzschlag teilweise unter 50% liegt. Eine israelische Studie hat sich mit den Einflussfaktoren auf die Mortalitätsrate beschäftigt und kommt zu dem Schluss, dass vor allem schnelles Handeln gefragt ist. Patienten, die mehr als 90 Minuten nach dem Hitzschlag beim Tierarzt eintreffen, haben eine deutlich schlechtere Prognose. Gleiches gilt, wenn nicht sofort mit der Kühlung des Hundekörpers begonnen wird.

Aber auch eine Unterkühlung in Folge zu starker Abkühlung kann zum Risikofaktor werden. Adipöse, also fettleibige Hunde haben ebenfalls schlechtere Chancen. Ebenso, wenn die Patienten bereits komatös beim Tierarzt ankommen oder unter Krampfanfällen leiden.

Vorbeugung

Dr. Jenny McIntosh hält Aufklärung für extrem wichtig: „Da der in unseren Breiten häufigste Vorstellungsgrund der im heißen Auto eingesperrte Hund ist, sollten Tierbesitzer wissen, dass ein bei 24 °C in der Sonne geparktes Auto innerhalb von 20 Minuten eine Innentemperatur von 48 °C erreichen kann. Dies kann innerhalb von 1 Stunde zum Tod des darin befindlichen Tieres führen.“

Im Sommer sollten Besitzer auf das Aktivitätsniveau ihrer Hunde achten, um keinen anstrengungsinduzierten Hitzschlag zu provozieren.

Da der anstrengungsinduzierte Hitzschlag bei Sporthunden häufiger auftritt, sollte gerade an den ersten warmen Tagen des Jahres achtsam mit den Hunden umgegangen werden. Übermäßige Belastung – und damit ist nicht nur die aktive Zugarbeit gemeint – sollte unterlassen werden. Auch in einer Laufanlage können sich Hunde an sonnigen Tagen überanstrengen – insbesondere im Frühling, wenn der Hundekörper sich noch nicht an die höheren Temperaturen akklimatisiert hat. Dieser Vorgang dauert in der Regel 10 bis 20 Tage, bei manchen Hunden gar zwei Monate. „Selbst gut durchtrainierte Tiere können bei extremen Witterungsbedingungen eine gewisse Zeit der Akklimatisation benötigen“, so McIntosh. „Hohe Außentemperaturen und eine hohe relative Luftfeuchte führen dazu, dass die Thermoregulation der Tiere eingeschränkt ist.“ Deshalb sollten sie nicht direkt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden und immer genügend Wasser bereitstehen.

Weiterführende Links:

[/ds_if]

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Wenn Du Musherclub.de ein kleines Dankeschön hinterlassen möchtest, kannst Du das z.B. via PayPal tun: 2,50€5€10€Dein Betrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.